Warum viele Rechtsextreme Corona-Leugner sind

Die Begründung ist hart, aber deutlich.

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Auf den ersten Blick ist es doch unlogisch. Die Angst vor einer übermächtigen Regierung, einer geheimen Weltverschwörung aller Politiker und Wirtschaftsbosse, ein kinderbluttrinkender Promi… auf diese Ideen muss man erst einmal kommen. Wenn man jedoch die Gedanken Rechtsextremer analysiert, kann man daraus schließen, dass diese Denkweise nachvollziehbarer ist als gedacht.

Zunächst soll einmal klargestellt werden, dass nicht alle Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker Neonazis sind. Dass sie aber für die Botschaften dieser Gruppe empfänglich sind, das kann man durchaus in Erwägung ziehen. Oftmals haben Verschwörungstheorien mit einem Aberglauben oder generell mit einem Leichtglauben zu tun. Das eigene Bauchgefühl wird hierbei oft zitiert, spirituelle Erfahrungen werden wissenschaftlichen Erkenntnissen vorgezogen.

Und natürlich spielen Vorurteile eine Rolle. Insbesondere die der Oberschicht, der Elite, der Reichen. Kurz: Der Juden. Der Antisemitismus erlebt in der Corona-Krise ein Comeback. Brunnenvergiftungen, die angeblich von Jüdinnen und Juden verursacht wurden, haben schon im Mittelalter für Theorien gesorgt, die vielen religiös motivierten Menschen logisch und nachvollziehbar erschienen. Während jedoch im Mittelalter, aber auch in der Nazi-Zeit in Europa die Schuld der Juden am Elend der Restbevölkerung deutlich angesprochen worden ist, wird das heute verschleiert. #savethecildren und ähnliche Bewegungen auf Social Media zeigen unter dem vermeintlichen Denkmantel der Rettung von besonders schützenswerten Wesen Antisemitismus pur, weil ja angeblich die jüdische Bevölkerung (Deckname: Die Elite) für die Entführung und den Missbrauch verantwortlich sein soll.

All dies zeigt, warum von rechter Politik überzeugte Menschen den Corona-Lügen Glauben schenken und viele weitere mitgerissen werden, ohne die Hintergründe genauer zu beleuchten. Aber da ist noch viel mehr.

Wenn man Annahmen in den Raum stellt, die man selbst als legitim, möglich oder sehr realistisch klassifiziert, dann muss dieses Gedankengut irgendwo seinen Ursprung haben. Woran glaubt man in Menschen? In das Gute? In das Schlechte? Meistens geht man von seiner eigenen Position und seinen eigenen Erwartungen aus. Diese werden durch mediale Berichte, Filme, Serien, Social Media und weiteren Einflüssen ergänzt.

Doch wie passt das nun zu den Rechtsextremen? Rechte Personen konsumieren Medien, die dieses Gedankengut weitertragen. In Österreich gibt es etwa die Plattform „unzensuriert.at“, die behauptet, unabhängig zu berichten, in Wirklichkeit aber von rechten Parteien finanziert wird. Dieses Faktum wird auch nicht hinterfragt. Weiters lebt man in der Filterbubble in Social Media, wo man lediglich die Meldungen zu lesen bekommt, die man lesen und hören möchte. Dazu kommt eine Vielzahl an Telegram-Gruppen, in denen offensichtliche Fake News geteilt und als Argumentation für ihre Thesen verwendet werden. Dazu kommen noch Action- und Science-Fiction Filme, die meistens von äußerst korrupten Politikern, superreichen Unternehmern, die die Menschheit ausschalten wollen oder Hackern, die der Menschheit schaden wollen, handeln.

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Aber all diese Informationen zusammen geben noch keine fundamentale Erklärung ab, warum Rechtsextreme nun tatsächlich dies alles glauben. Es fehlt nämlich die letzte, entscheidende Komponente:

Wovon geht man aus, wenn man Politiker, Unternehmer, Meinungsmacher agieren sieht? In der Regel von dem, wie man selbst handeln würde. Man kann also davon ausgehen, dass ein Großteil der Regierungen der Welt das Ziel hat, die Pandemie zu besiegen, Corona hinter uns zu lassen und zu einer wirtschaftlichen Stärke zurückzukommen — weil man davon ausgeht, dass die „Elite“ ähnlich wie man selbst denkt.

Wenn man aber nun ein Weltbild vertritt, dass ein Staat nur durch Ordnung, Disziplin und mit der Unterdrückung der Masse (so wie in Diktaturen oder im dritten Reich der Nazis) funktionieren kann, Ausländer keinen Platz im eigenen Land haben, Migranten abgeschoben gehören und ein starker Mann an der Spitze stehen soll, dann geht man natürlich auch davon aus, dass die derzeit Regierenden ähnliche Ansichten vertreten.

Rechtsextreme haben in der Regel die Wunschvorstellung eines autoritären Staates, nutzen aber die derzeitige Situation ganz bewusst aus, um Angst vor ihrer eigenen Idee zu schüren. Diese auf den ersten Blick sehr verwirrende Taktik hat aber einen ganz klaren Auftrag: Mehr Menschen für rechtsextreme Positionen zu begeistern, auch wenn diese damit bisher keine Berührungspunkte hatten. Und ehe man es übersieht, und die rechten Parteien das Ruder übernommen haben, kann es durchaus sein, dass diese Albträume der Menschen, das, wogegen sie auf die Straße gehen, von ihren einstigen Mitstreitern, den Neonazis, umgesetzt wurde. Durch die Hintertür.

Und diese Entwicklung gilt es in jedem Fall zu verhindern. Der Demokratie wegen.

German and History Teacher, hobby Web Developer, based in Austria 🇦🇹, interested in politics and pretty much everything!

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